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TU Berlin

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Hintergrund des Forschungsprojekts

   

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Seit 1970 hat sich die Anzahl von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Wirbelstürmen und Überschwemmungen versechsfacht. Weltweit sind dadurch immer mehr Menschen, besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern, auf die kurzfristige Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Wasser, Kleidung und Unterkünften angewiesen.

Die mediale Berichterstattung über diese plötzlich einsetzenden Katastrophen lässt häufig vergessen, dass ein großer und wachsender Teil von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Afrika, permanenten Problemen bei der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern ausgesetzt ist.  Gegenwärtig sind nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind über 870 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Jedes vierte Kind in Entwicklungs- und Schwellenländern ist unterernährt, mehr als 165 Millionen Kinder sind von dieser Problematik betroffen.

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Besonders schwerwiegend stellt sich die Hungersituation in Afrika dar. Im Welthungerindex 2013 rangieren die Länder Subsahara-Afrikas vorrangig auf den unteren Plätzen. In 37 Ländern Subsahara-Afrikas bezeichnet der Welthungerindex die Nahrungsmittelsituation als besonders ernst. Der Anteil von Hunger betroffener Menschen ist in Afrika mit 28 Prozent deutlich höher als in Asien (14 Prozent) und in Südamerika (acht Prozent). 12 der 13 Länder, in denen der Anteil unterernährter Menschen an der Gesamtbevölkerung über 35 Prozent liegt, liegen in Afrika. Noch 1990 konnte die Hungersituation in Südostasien mit der Lage in Afrika im WHI als vergleichbar angesehen werden. Während die südostasiatischen Staaten ihre Situation in den letzten Jahren stark verbessern konnten, erzielten die meisten Länder Subsahara-Afrikas in der gleichen Zeit keine großen Fortschritte. In einigen Ländern hat sich die Situation sogar noch verschärft.

Aus der beschriebenen Problematik ergibt sich der Bedarf einer humanitären Logistik, die neben akuten Katastrophen auch langfristige und permanente Defizite bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln berücksichtigt. Unter dem Begriff Humanitäre Logistik wird die Gesamtheit der logistischen Aktivitäten in der Folge humanitärer Katastrophen bezeichnet.

Zur humanitären Logistik zählen alle Prozesse, die mit der Planung, Durchführung und Kontrolle der Versorgung mit Hilfsgütern, -mitteln und -personal verbunden sind. Neben den physischen Strömen von Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten, Zelten, sanitären Anlagen und weiteren werden auch die dazugehörigen Informationsstrukturen und Finanzmittel erfasst. Die lokale Logistikkapazität ist von maßgeblicher Bedeutung für die Versorgungsfähigkeit der Bevölkerung in akuten als auch permanenten Katastrophen. Die notwendigen, lokal angepassten Konzepte in der Aus- und Weiterbildung sind daher ebenfalls elementarer Bestandteil einer ganzheitlichen, humanitären Logistik.

Humanitäre Logistik kommt überall dort zum Einsatz, wo Menschen sich aus eigener Kraft nicht selbst versorgen können und in ihrer Gesundheit oder ihrem Leben gefährdet sind. Ursache dafür können neben akuten Katastrophen, wie z. B. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen auch permanente Katastrophen wie Hunger, Unterernährung oder medizinische Unterversorgung sein. Funktionierende, vorhandene und traditionelle Versorgungsstrukturen dürfen durch den Einsatz der Logistik im humanitären Sektor nicht verdrängt werden, da andernfalls der Anreiz zur Selbstversorgung der Bevölkerung verloren geht.

Da in Industrieländern funktionierende Konzepte auf Grund der unterschiedlichen Gegebenheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern oft nicht angewandt werden können, bedarf es bei der humanitären Logistik der Anwendung lokal angepasster Logistikkonzepte. Diese können durch den Einsatz von Wissens- und Technologietransfer deutlich verbessert werden.

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Damit die erarbeiteten Konzepte zukünftig selbstständig angewandt und weiterentwickelt werden können, arbeitet das Forschungsteam im Bereich Wissenstransfer gemeinschaftlich mit afrikanischen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen an der Entwicklung von Curricula, dem Austausch von Lehrinhalten, Dozenten und Studierenden sowie an Aus- und Weiterbildungsprojekten. Auf diese Weise wird nicht nur das notwendige logistische Know-how verbreitet, sondern auch ein gegenseitiges Verständnis geprägt, das die Akzeptanz der Projektarbeit sicherstellt.

Die Forschungsthematik ist die Fortsetzung der von Professor Baumgarten bereits 2002 begonnenen Arbeiten im Bereich der Katastrophenlogistik.

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